Wenn Licht durch einen Spalt oder auch eine Blende fällt, wird es an den Rändern gebeugt. Diese so genannte Diffraktion ist eine Folge der wellenförmigen Ausbreitung von Licht.

Welche Folgen hat die Diffraktion für die Fotografie?

Diffraktion ist ein Abbildungsfehler, der durch die Ränder der Blende hervorgerufen wird. Das muss bei der Auswahl der optimalen Blendengröße berücksichtigt werden. Stellen wir uns für einen Moment vor, Licht bestünde wirklich aus „Lichtstrahlen“ und nicht aus Wellen. Dann wäre die Auswahl der richtigen Blendengröße in der Fotografie sehr einfach: je kleiner, desto besser! Aber je kleiner die Blende ist, desto stärker wirken sich die Störungen durch die Ränder aus. Um den Effekt der Diffraktion möglichst klein zu halten, gilt für die Blendengröße also: je größer, desto besser! Die Aufgabe besteht darin, den optimalen Kompromiss zu finden.

Kaum Probleme im Alltag

Das Problem der Diffraktion nimmt mit zunehmender Brennweite zu, weil die am Rand der Blende erzeugten Störungen einfach mehr Platz haben, um sich auszubreiten. Deswegen bereitet die Diffraktion im Alltag des fotografierenden Urlaubers kaum Probleme. Die bei Landschafts- oder Gebäudeaufnahmen verwendeten kurzen Brennweiten sind in dieser Hinsicht unkritisch.

Diffraktion in der Makrofotografie

Beim Fotografieren kleiner Objekte wird die Diffraktion allerdings zum wirklichen Problem. Jedem Fotografen, der sich mit diesem Thema befasst hat, ist das Thema der Tiefenschärfe vertraut. Je größer die Blendenöffnung ist, desto kleiner ist der Bereich der Abstände zwischen Objekt und Objektiv, der scharf abgebildet werden kann. Deswegen spielt hier die oben angesprochene Suche nach dem optimalen Kompromiss für die Blendengröße eine wichtige Rolle. Eine zu große Blende führt zu Bildunschärfen wegen der zu kleinen Tiefenschärfe. Eine zu kleine Blende verursacht Unschärfen infolge der Diffraktion. Es ist zwar möglich, dies als rein physikalisches Problem zu verstehen und eine optimale Blendengröße zu berechnen. Wirklich hilfreich in der Praxis ist das allerdings nicht. Dasjenige Bild, das rein mathematisch die meisten Informationen über das fotografierte Objekt enthält, ist nicht unbedingt das subjektiv schönste Bild. Deswegen mag die theoretisch optimale Blendengröße wichtig sein, wenn rein dokumentarische Aufnahmen für wissenschaftliche Veröffentlichungen oder ähnliche Zwecke benötigt werden. Ansonsten gilt: ausprobieren!

Besser als optimal geht nicht!

Es sollte nicht vergessen werden, dass der Film beziehungsweise der Sensor der Digitalkamera der Bildauflösung ohnehin Grenzen setzt. Bei der analogen Fotografie entstehen minimale Abbildungsfehler schon dadurch, dass die aktiven Kristalle auf dem Film statistisch verteilt sind. Sich bei einer Ausrüstung von geringer Qualität zu viele Gedanken über Diffraktion zu machen, ergibt daher ungefähr so viel Sinn, wie sich eine HD-DVD auf einem Röhrenfernseher aus den 70er Jahren anzusehen.

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